Dienstag, 28. Oktober 2008

California Love

Da waren wir das erste Mal in unserem Leben im Golden State angekommen. Und vom ersten Moment an waren wir von diesem Bundesstaat begeistert. Unser erster Stopp galt den Redwoods. Im Redwood Nationalpark sowie dem Humboldt Provincial Park bestaunten wir diese Baumriesen, die mal eben ueber 100 Meter hoch wachsen, einen Durchmesser von mehreren Metern erreichen und bis zu 2.000 Jahre alt werden koennen.

WOW, diese Baeume sind so gigantisch, dass man sich wie kleine Ameisen vorkommt, wenn man unter ihnen umherwandelt, bis einem vom ganzen Nachobenschauen und den Gedanken daran, was diese Baeume in ihrem Leben alles ueberdauert haben, ganz schwindelig wird. Wir fuhren durch die beruehmte "Avenue of the Giants", in der die vielen Riesen so dicht beieinander stehen, dass kaum ein Sonnenstrahl den Waldboden beruehrt. Auf einer Lichtung am Rande des Waldes konnten wir eine Waipitiherde und einen von der Brunft getriebenen Hirsch beobachten, der seinen Maedels ordentlich zu imponieren versuchte.

Wir bogen auf den legendaeren Highway No. 1 ab, dem wir durch enge Serpentinen entlang einer spektakulaeren Steilkueste mit Aussicht auf die tosende Brandung unter uns bis nach San Francisco folgten. Oh ja, Porschefahrer muesste man dort sein...es kamen uns auch einige entgegen, kein Wunder! Aber auch in einer Reisschuessel ist die Strecke Fahrspass pur - zumindest fuer den Fahrer :-).

Durch Washington und Oregon nach Sueden

Wir staunten nicht schlecht, als wir eines der hiesigen, riesigen Walmart Supercenter ansteuerten, um uns mit neuen Vorraeten fuer unseren roadtrip in den USA zu versorgen. Seit unserem letzten Besuch vor 6 Jahren scheinen die Supercenter noch groesser geworden zu sein. In den langen Gaengen vollgestopft mit einer nie gesehenen Produktauswahl in Uebergroessen (moechte jemand einen 1.5 kg Instantkaffee-Nachfuellpack?!?) kann man sich regelrecht verirren, sodass man froh ist, wenn man diesem Mikrokosmos nach ueber zweistuendigem Einkaufsmarathon wieder entfliehen kann - natuerlich nicht ohne ein breites Grinsen ueber den billig geschossenen, oberschleckerleckeren Ben & Jerry's Strawberry Cheesecake Eisbecher (2.50 Dollar!!!!!!!!).

Wir fuhren durch die sehr schoene Landschaft Washingtons bis zum noch aktiven Vulkan Mount St. Helens, der durch seinen brutalen Ausbruch im Jahr 1980 auch ausserhalb der USA Beruehmtheit erlangt hat. Es ist doch verrueckt, dass ein Vulkan in einem Ausbruch mal eben ueber 300 Meter Felsmasse wegsprengen kann! Noch heute, fast 30 Jahre nach dem Ausbruch, zeugen die karge Landschaft mit lauter umgeknickten Riesenbaeumen, die teilweise kilometerweit als Projektile durch die Luft geschleudert worden waren, von der Wucht des damaligen Ausbruchs. Wir bestaunten diese Mondlandschaft und konnten sogar kleine Rauchsaeulen aus dem schlummernden Krater aufsteigen sehen.

Nachdem wir der aufstrebenden Stadt Portland einen kurzen Besuch abgestattet hatten, fuhren wir die traumhafte, rauhe Kueste Oregons entlang und zelteten bei Meeresrauschen teilweise direkt am Strand - Entspannung war angesagt.

Samstag, 4. Oktober 2008

Auf Vancouver Island

Aufgrund unserer spaeten Ankunftszeit hatten wir vorsorglich ein Hostel in Nanaimo, dem Ankunftshafen unserer Faehre, reserviert. Das Zimmer in dieser Bruchbude ging gar nicht: Nicht gemachte, dreckige und durchwuehlte Betten, mit Paketband verklebte Fenster und Blutflecken im Badezimmer. Unglaeubig machten wir auf dem Absatz kehrt und suchten uns eine ordentliche Unterkunft, in der wir am naechsten Morgen bei strahlend blauem Himmel mit Blick auf den Yachthafen auf dem Balkon fruehstueckten. Das war uns dann doch bedeutend lieber als die Fixerspelunke ein paar Blocks weiter :-)!

Die Wettervorhersage fuer die rauhe Westkueste der Insel, an der es oefter regnet als dass die Sonne scheint, war super, und so fuhren wir flux in Richtung des Pacific Rim Nationalparks.

Der Park schuetzt die letzten Ueberbleibsel des kanadischen gemaessigten Regenwaldes, der einmal fast die ganze Insel bedeckt hatte, bevor gierige Holzfirmen fast jeden der hunderte Jahre alten Baumriesen "geerntet" haben, wie es hier so haesslich heisst. Wir wussten bisher nicht, dass der schmale Guertel pazifischen Regenwaldes, der sich von Alaska bis Kalifornien erstreckt, so wichtig fuer das Oekosystem der Erde ist. Umso trauriger ist es, dass Industrienationen, die es doch eigentlich besser wissen muessten, immer noch Teile dieses Schatzes abholzen lassen!

Wir campten am Rande des Regenwalds direkt an der windumtosten Kueste, genossen lange, einsame, von riesigem Treibholz gesaeumte Straende und interessante Pfade durch den unbeschreiblich wild gewachsenen und bemoosten Wald, in dem jeder Quadratzentimeter von sattgruenen Pflanzen bewachsen ist. Neben zahlreichen Walarten, Seeottern und Robben, die das Meer bevoelkern, gab es auch im Wald interessante Tierchen zu beobachten, wie zum Beispiel die mit bis zu 20 cm Laenge laengste Schnecke der Welt, die aufgrund ihrer Farbe passend banana slug genannt wird.

Bereits zwei Tage spaeter machte der Regenwald seinem Namen wieder alle Ehre, ein Sturm kam auf und wir nahmen Reissaus und fuhren in die Provinzhauptstadt Victoria.

Victoria ist ein sehr nettes, kleines Staedtchen voll alter britischer Kolonialbauten. Viel anzuschauen gibt es dort aber nicht, sodass wir einfach nur ein wenig durch die Strassen bummelten und bei einem Kaeffchen unsere Weiterreise nach Sueden planten - die Sonne Kaliforniens zog mit immer groesser werdender Kraft an uns! Zwei Tage spaeter befanden wir uns auf der Faehre in die USA! Goodbye and au revoir Canada, hello again USA!

Auf nach Westen!

Wir verliessen die Berge Richtung Westen und fuhren durch den Mount Robson Park, wo wir dem hoechsten Berg der kanadischen Rocky Mountains einen Besuch abstatten. Aber auf die dreitaegige Wanderung zum Basislager des Mount Robson verzichteten wir dann doch.

Weiter ging es in den Well's Gray Provincial Park, wo wir einige schoene Wasserfaelle wie die Helmcken Falls beglotzten. Mittlerweile hatte sich das Wetter aber auch tagsueber verschlechtert, und so brachen wir am naechsten Morgen bei Regen unser Zelt ab und duesten weiter in Richtung Kueste.

Durch eine regnerische Herbstlandschaft ging es bergauf, bergab durch viele heruntergekommene Doerfer (jedes Haeuschen dort hat merkwuerdigerweise einen eigenen Schrottplatz vor der Tuer), die im krassen Gegensatz zum dann folgenden Whistler standen, dass bereits steril und geschniegelt auf die Olympiagaeste wartet.

Das Wetter lud wirklich nicht zum Verweilen ein, und so fuhren wir die ganze lange Strecke bis zum Faehranleger in der Horseshoe Bay, von wo aus wir die vorletzte Faehre nach Vancouver Island nahmen.

Musik, zwo, drei, vier

Zu einer entspannten Reise gehoert auch entspannte Musik. Wir hatten ja mal einen schnuckeligen mp3-Player voll davon im Rucksack, aber den hat nun bekanntlich jemand anderes. Mit ein paar neu besorgten CDs im Gepaeck wollten wir zumindest im Auto fuer ein bisschen Gedudel sorgen. Dumm ist nur, wenn die Mietwagen so alt sind, dass sie keinen CD-Player haben. Und wenn unser Mietwagen dann nicht nur alt, sondern Japaner durch und durch ist - inklusive japanischem Radiofrequenzbereich - hat man noch nicht einmal ein Radio! Das war in Neuseeland. In Australien goennten wir uns ja einen Discman und freuten uns schon auf die musikalische Fahrt durchs Outback. Nun gut, der Discman vom Flohmarkt hielt bis zur naechsten Kurve. Und mit Radio ist in Australiens Zentrum nicht viel. Das wurde an der Ostkueste zwar besser, aber 24 Mal am Tag die gleiche Teeniepopschleife a la American Idol zu hoeren nervt dann doch auf Dauer!

Da war die Freude gross, als Felix und Ann-Nicola uns nachtraeglich zum Geburtstag einen bespielten Eierpott geschenkt haben. So koennen wir jetzt wieder mit Jack Johnson im Ohr, feinstem chill out und Klassikern wie "Hotel California" ueber die kanadischen und amerikanischen Highways cruisen. JUHU!

Von A-Hoernchen, Petzi und anderen Gesellen

Im Westen Kanadas gibt es ja bekanntlich viele Baeren. Auf den Campingplaetzen muss daher penibel darauf geachtet werden, dass alles, was im Entferntesten duftet (auch sauberes Geschirr und sogar Zahnpasta!), vor der feinen Nase von Meister Petz versteckt wird. Dafuer gibt es richtige Baerenschraenke aus Stahl, oder man verstaut alles in seinem Kofferraum.

Im Westen Kanadas gibt es aber auch Millionen von suessen, aber rotzfrechen kleinen chipmunks - einige davon sind so gross wie unsere Eichhoernchen, andere sind aber nicht viel groesser als eine dicke Maus (Maeuse koennen dort uebrigens so miniklein wie Kaefer sein....suess!).

Doch baerensicher ist uebrigens nicht gleich chipmunksicher. Eines dieser Kerlchen muss sich wohl gefuehlt haben wie im Schlaraffenland: Eines Morgens brachten wir unsere Vorraete nach und nach bereits angeknabbert zum Vorschein, als wir unser Fruehstueck aus dem Kofferraum holen wollten! Wir wissen nicht, wie das kleine Biest in unser Auto gekommen ist. Jedenfalls war es an dem Morgen genauso klammheimlich verschwunden wie es aufgetaucht war (Und irgendwo in Argentinien hat sich an dem Morgen wohl eine im Februar um ihr Nachtmahl gebrachte Maus in ihr Faeustchen gelacht!).

Was die Begegnung mit den angeblich menschenscheuen Baeren angeht, haben wir uebrigens unsere ganz eigenen Erfahrungen gemacht. In den Nationalparks soll man eigentlich nur in Vierergruppen wandern und dabei sehr laut sein (was einige Wanderer nur allzu beherzt befolgen, was wirklich sehr zur Idylle beitraegt...) sowie fuer den Fall der Faelle ein Baerenspray pro Person mit sich fuehren (35 Dollar teures Pfefferspray, auf das wir dezent verzichtet haben). Im Endeffekt ist die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung angeblich sehr gering. Und so beschraenkte sich unsere Baerenerfahrung in den Nationalparks auf die Sichtung von Kratzspuren an einigen Baeumen.

Als wir dann aber ausserhalb der Parks direkt an der Strasse gleich an mehreren Tagen insgesamt sieben Schwarzbaeren antrafen, waren wir doch mehr als baff!

Einmal sahen wir sogar eine Baerenmutter mit ihren zwei kleinen Jungen. So putzig sehen sie aus, da glaubt man gar nicht, dass die Tiere fuer uns so gefaehrlich werden koennen. Zum Glueck sassen wir jedes Mal im Auto, denn Begegnungen mit Baeren in der Natur sollen wirklich nicht ganz ohne sein.

Die Sichtung von so vielen Baeren ist uebrigens wirklich nicht die Regel. Aufgrund des schlechten kanadischen Sommers haben die Baeren in den hoeheren Lagen momentan nicht genug Nahrung und muessen so in die Taeler absteigen, um sich fuer den Winter ihren Speckmantel anzufressen. So koennen wir ueber unsere Baerensichtungen gleichzeitig gluecklich und traurig sein, da diese Baeren eventuell eschossen werden muessen, wenn sie der Zivilisation zu nahe kommen.

Die Doerfer und Campingplaetze in den Bergen liegen so weit ab vom Schuss, dass mitunter sogar der ein oder andere Waipitihirsch gemaechlich zwischen den Zelten grast. Diese Tiere sind mit ihrem majestaetischen Geweih und einer geschaetzten Schulterhoehe von 1,85 Metern wirklich sehr beeindruckend zu beobachten. Doch auch diesen Tiere sollte man zurzeit nicht in die Quere kommen, da die Hirsche zur Brunftzeit im Liebesrausch angeblich voellig durchdrehen koennen.

Ueber den Icefield Parkway nach Jasper

Unser Weg vom Banff Nationalpark in Richtung Jasper Nationalpark fuehrte uns ueber den Icefield Parkway, der zu den spektakulaersten Panoramastrassen der Welt gehoeren soll. Wir stimmen dem uneingeschraenkt zu, denn diese Strasse, die durch eine einzigartige Berglandschaft fuehrt, ist einfach unbeschreiblich und moechte am liebsten mit Schrittgeschwindigkeit befahren werden.

Mann, sind wir zwei Glueckspilze, denn der laut vieler Kanadier erste schoene indian summer (Altweibersommer) seit Jahren verwoehnte uns mit wahrem Kaiserwetter! Hinzu kam ein Teppich gelb leuchtender Laubbaeume, in allen Herbstfarben strahlender Buesche und Wiesen und sattgruener Nadelbaeume, der das Tal und die Haenge der schneebedeckten Berge bedeckte (ganz schoen kitschig, was? Aber genauso war es!).

Nach zahlreichen Stopps und Kurzwanderungen zu grandiosen Aussichtspunkten schlugen wir unser Zelt auf einem Wildcampingplatz am Columbia Icefield auf. Das Eisfeld ist die groesste zusammenhaengende Eismasse der noerdlichen Hemisphere ausserhalb des Polarkreises und speist unzaehlige Gletscher. Den beeindruckendsten unter ihnen, den Athabasca Glacier, konnten wir aus naechster Naehe bestaunen.

Waehrend der naechsten Tage erkundeten wir die Umgebung, die ganz anders aussah als die um Lake Louise. Eine unserer Wanderungen fuehrte uns ueber wieder bunt leuchtende Almwiesen und Geroell auf den auf ueber 2.300 Meter gelegenen Wilcox Pass, wo wir nur in der Gesellschaft von Dickhornschafen waren. Auf einer weiteren Wanderung stiegen wir auf die Parker Ridge, von der wir einen sagenhaften Blick auf den mit neun Kilometern laengsten Gletscher der kanadischen Rocky Mountains hatten.

Nachts hatten wir uebrigens endlich wieder Plusgrade. JUHU!

Nach drei Tagen fuhren wir den Rest der Strecke bis nach Jasper. Nach fast 100 gewanderten Kilometern war unsere Wanderlust dann aber doch gestillt, sodass wir mit dem Auto zum Maligne Lake fuhren und dort einfach nur auf einem Bootssteg in der Sonne sassen und den Tag vertroedelten.

Baff im Banff Nationalpark

Bei Regen und Gewitter ging es also nach Banff, einer ganz fiesen und teuren Tourihochburg, wo wir uns ueber unser kuschelig warmes Motelzimmer freuten. Auch am naechsten Morgen hingen die Wolken vor dem Fenster, doch frohen Mutes gurkten wir auf den Bow Valley Parkway in Richtung Lake Louise.

Erster Stopp war der Johnston Canyon, wo wir eine kurze Wanderung unternehmen wollten. Dass in Kanada "kanna-da" ist, stimmte zumindest dort ueberhaupt nicht. Auf geteerten Gehwegen begegneten uns hunderte deutsche Gruppenreisende, die Kanada auf bequeme Weise unsicher machen wollten.

Auf dem Weg zurueck zum Auto hielt uns allerdings etwas ganz anderes in Atem: Kurz vor uns war ein 63-jaehriger Brite gestuerzt und lag bewusstlos auf dem eiskalten Boden, waehrend seine Frau aufgeloest und ratlos neben ihm stand. Zum Glueck hatten wir unsere erste Hilfe dabei, sodass Constantin ihn mit einer Rettungsdecke einigermassen warm halten konnte, waehrend Steffi sich um eine Ambulanz kuemmerte. Die liess ewig auf sich warten - immerhin waren wir trotz Massenwanderweg mitten in den Bergen - und Arnold war bei ihrer Ankunft bereits wieder ansprechbar. Der Notarzt vermutete eine angina pectoris, und wir koennen nur hoffen, dass es ihm mittlerweile wieder besser geht.

Nach dem Schreck fuhren wir bei mittlerweile strahlend blauem Himmel ohne weitere Zwischenstopps nach Lake Louise - ebenfalls ein seeeeehr kommerzieller Touristenort. Wir befuerchteten bei der Anfahrt auf den dortigen Stadtcampingplatz Schlimmes und wurden positiv ueberreascht. Der Platz ist sehr schoen in einem Wald gelegen, das einizig etwas Verstoerende ist der Multitausend-Volt-Elektrozaun, der die Zeltcamper vor Baeren schuetzen soll. Um Lake Louise lebt naemlich der groesste Bestand an Grizzlybaeren der kanadischen Rockies. Nun denn...

Also bauten wir am fruehen Nachmittag unser Zelt auf und machten uns aufgrund des wundervollen Wetters bereits zu unserer Wanderung am Lake Louise auf. Der Rummel am Johnston Canyon war schon heftig, doch die Massen (inklusive Asiatinnen auf Stoeckelschuhen und Russinnen im Pelzmantel), die sich vor dem, die Landschaft verschandelnden, gigantisch grossem und potthaesslichen Chateau Hotel tummelten, war schon unglaublich. Doch kaum geht man ein- , zweihundert Meter weiter als die Stoeckelschuhe tragen, hat man den See zwar nicht ganz fuer sich allein, aber man kann seinen maerchenhaften Anblick mit unwirklich tuerkisblauem Wasser vor schneebedeckten Gipfeln in Ruhe geniessen.













Wir stiegen einen steilen Pfad durch einen Tannenwald, von dem aus das Wasser des Sees noch unwirklicher aussah, zum sogenannten Lake Agnes tea house, wo wir in der Sonne gemuetlich heisse Schokolade und Tee tranken und die Bergidylle auf uns wirken liessen.

Wenn man von dort aus nicht den direkten Abstieg, sondern einen 5 Kilometer langen Umweg durch ein schoenes Gletschertal antritt, laesst man die Leute gaenzlich hinter sich und ist in der grandiosen Landschaft ganz allein - herrlich!

Zurueck am Zelt angekommen zuendeten wir wieder ein Feuerchen an - denn auf sommerliche 23 Grad am Tage folgten wieder minus drei Grad in der Nacht. Doch wir waren ja mittlerweile abgehaertet...vielleicht ja auch dank der Vitamin C + Zink-Pillchen von Budni :-)!

Am naechsten Tag standen wir extra frueh auf - immer wieder der beste Garant dafuer, den Massen zu entgehen - und machten uns auf zum sogenannten Morraine Lake. Der See ist mit seiner Farbe und den ihn umgebenden Bergen fast noch schoener als der Lake Louise. Wir genossen den Anblick allerdings nur kurz, da wir uns aufgrund der immer noch herrschenden Minusgrade fix beim Wandern aufwaermen wollten. Mal wieder war ein heftiger Anstieg angesagt - doch unsere Waden waren langsam gestaehlt :-)!

Wieder einmal wurden wir fuer unsere Anstrengung belohnt. Denn kaum hatten wir den ersten Anstieg bewaeltigt, fuehrte uns der Weg in ein traumhaftes Tal voller Lerchen, die in ihrem Herbstkleid strahlend gelb leuchteten. Dieses Bild, vor einem dunkelblauen Himmel und eingerahmt von mehreren weiss strahlenden Gipfeln, ist einmalig!

Unsere Waden hatten noch immer nicht genug, also stapften wir die letzten Hoehenmeter zum sogenannten Sentinel Pass, dem hoechsten, auf einem Wanderpfad in den kanadischen Rockies gelegenen Punkt. Nicht nur der Aufstieg, sondern auch das Panorama von dort oben waren atemberaubend!

Nach einer Verschnaufpause im Lerchenwald mit Stulle und einem Schwaetzchen mit einem australischen Rentnerpaerchen, das ebenfalls eine einjaehrige Weltreise unternimmt (Ach, wie schoen zu wissen, dass man das im Alter nochmal machen kann :-)!), machten wir auf dem Weg zurueck ins Tal einen "kleinen" Abstecher zum Eiffel Lake. Wow, der Wanderpfad fuehrte durch den wohl am besten und intensiv duftenden Nadelwald der Welt an einem Hang entlag, von dem wir mal wieder eine phaenomenale Bergkulisse bewundern konnten.

Auf dem Rueckweg staunten wir nicht schlecht, als ein dickes, weissbraunes Wollknaeul mit einer riesigen Portion Heu im Maul seelenruhig an uns vorbeistiefelte. Es sah aus wie ein Mix aus dicker Perserkatze und Rosettenmeerschwein...da haben wir doch glatt ein kanadisches Murmeltier getroffen!

Am letzten Tag in der Region wollten wir nach einer erneut frostigen Nacht und bei ebenso bestaendig blauem Himmel das benachbarte Paradise Valley erkunden. Wir machen es kurz, um Euch nicht weiter mit der Beschreibung traumhafter Berglandschaften zu quaelen: Idyllisches, sonniges Tal, ruhige Tannenwaelder, rauschender Bach, schneebedeckte Berge, mutterseelenallein.... ganz nach unserem Geschmack!

Freitag, 26. September 2008

Oh wie schoen ist Kanada - ab in die Rockies!

Unsere erste Campingstation war leider ein Reinfall. Der Campingplatz in Hope (uebrigens Drehort von Rambo I! Oha!) lag neben einem sechspurigen Highway, sodass wir nachts das eine oder andere Mal dachten, dass ein LKW durch unser Zelt rauschen wuerde. Der Ort lud also nicht wirklich zum Verweilen ein und so fuhren wir nahe der kanadisch-amerikanischen Grenze in Richtung Osoyoos, das in einer trockenen Wueste liegt. Eine Wueste in Kanada? Davon mussten wir uns mit eigenen Augen ueberzeugen. Die Region hat angeblich mehr Sonnenstunden als Honululu, und selbst Bananen werden dort angebaut. Wir nutzten diese Tatsache gnadenlos aus und versorgten uns mit Obst und Gemuese vom Bauern, bevor wir bei herrlich sommerlichen Temperaturen an dem idyllischen Okanagan Lake zelteten.

Die Landschaft war zwar sehr schoen, dennoch wollten wir so schnell wie moeglich in die Rocky Mountains. Bei stroemendem Regen kamen wir im Yoho Nationalpark in den Bergen an. Nach einer erfolglosen Suche nach einem halbwegs guenstigen Motel entschlossen wir uns dann doch zum Zelten. Zum Glueck hatte der Regen aufgehoert, doch wir merkten schnell, dass wir nun in den Bergen waren: Es kuehlte abends auf ca. 3 Grad ab. Fix machte Constantin uns ein Feuerchen, damit wir uns ein wenig aufwaermen konnten. Fuer den naechsten Tag war ja Sonnenschein agesagt und so liess sich die Kaelte "fuer eine Nacht" gut aushalten.

Am naechsten Morgen brachen wir zu unserem ersten Campingplatz mitten in der Wildnis auf. Bei Sonnenschein und warmen Temperaturen bauten wir unser Zelt vor einem atemberaubenden Panorama an einem Fluss mitsamt Wasserfall, umgeben von schneebedeckten Bergen, auf. Neben dem Rauschen des Flusses hoerten wir nur das Gezeter der zahlreichen Chipmunks, die neben uns den Campingplatz zu bewohnen schienen.

Den ganzen Tag sassen wir einfach nur auf unserer Bank in der Sonne und genossen die wunderbare Natur - bis zum spaeten Nachmittag. Denn ploetzlich kam ein eiskalter Wind auf und in kuerzester Zeit sanken die Temperaturen derart, dass die Gaskartusche unseres Walmart-Kochers kaum noch funktionieren wollte. Mann, war das kalt! Trotz Feuer und heisser Suppe, Muetze, Schal und Handschuhen war uns derart kalt, dass wir nur noch kurz den unbeschreiblich schoenen Mond bei rot gluehenden Bergen genossen und uns dann fix ins Zelt verkrochen.

Die Nacht wurde trotz sehr warmer Schlafsaecke und zusaetzlicher Fleecedecke arschkalt - kein Wunder bei MINUS ACHT Grad. Wir hatten eindeutig den Grenzbereich unserer Ausruestung erreicht...

Am naechsten Morgen schaelten wir uns nur ungern aus unserer Sackstube und wurden von Minusgraden und einer dicken Eisschicht auf unserem Zelt begruesst. Wir waren trotzdem guter Dinge (glasklare Luft bei strahlend blauem Himmel) und waermten uns mit einem Tee und Huepfen auf. Dann ging es los auf unsere erste Wanderung, der spektakulaere Iceline Trail stand auf dem Programm. Trotz der Kaelte wurde uns bei dem heftigen Anstieg durch einen wunderbaren Nadelwald schnell warm, sodass wir uns ziemlich schnell unserer langen Unterwaesche entledigten.

Nach rund 700 anstrengenden Hoehenmetern erreichten wir jenseits der Baumgrenze einen Geroellhang, der uns zum Emerald Glacier fuehrte und von dem wir atemberaubende Ausblicke auf die umliegenden Berge und das bewaldete Tal unter uns genossen. Nach dem Abstieg durch mucksmaeuschenstille Nadelwaelder und entlang unwirklich tuerkis schimmernder Bergseen erreichten wir nach fast 20 Kilometern unser Camp.

Wir waren auf der ganzen Wanderung stets auf der Hut vor Meister Petz und riefen das ein oder andere Mal das uns von den Rangern empfohlene "Hello bear!" in den Wald hinein. In Kanada bevoelkern naemlich neben Woelfen, Pumas und Vielfrassen unter anderem auch zahlreiche Schwarzbaeren und Grizzlies die entlegenen Regionen. Und gerade auf die Begegnung mit dem letzteren kann man durchaus verzichten, die verstehen naemlich im Zweifel keinen Spass (und laufen trotz 300 Kilo mal eben schneller als ein Rennpferd!)! Doch wir wurden nur von den frechen chipmunks begleitet, die wohl zu tausenden die Waelder Kanadas bevoelkern und von denen man jedes einzelne am liebsten in die Tasche stecken moechte!

Die naechste Nacht war dann mit nur minus drei Grad schon fast kuschelig warm - naja, nicht wirklich! Am naechsten Morgen begruesste uns kalter, stroemender Regen, sodass wir schnell zusammenpackten und in den Banff Nationalpark fuhren. In dem Oertchen Banff suchten wir uns dann ein Motel, denn fuer die Nacht war neben Regen auch ein schweres Gewitter vorhergesagt.

In Vancouver

Nach zwei Tagen in Seattle brachen wir auf in Richtung Kanada. Nach einer sehr kurzen Fahrt passierten wir bereits die Grenze und fuhren direkt nach Vancouver. Bei unserer Anfahrt ueber den Highway war unser erster Eindruck nicht sonderlich positiv, da man auf eine Wand eigenartig verbauter Hochhausskelette zufaehrt.

Wir quetschten uns durch Vancouvers Verkehr nach Downtown, wo wir unser ulkiges Hotel (man wird mit klassischer Musik in einer sehr schicken Lobby begruesst, aber fuer mindestens 20 sardinenbuechsenartige Zimmer mit plueschiger Einrichtung gibt es nur ein Bad und morgens bekommt man seine vorgeschmierten Toasts auf Papptellern serviert :-), doch das Hotel ist guenstiger und zentraler als jede Jugendherberge!) bezogen und uns auf eine erste Erkundungstour des Stadtzentrums begaben. Dabei sahen wir spektakulaere Sehenswuerdigkeiten wie die "steam clock" in Gastown, die unglaublicherweise mit Dampf betrieben wird und jede volle Stunde ein dampfendes Pfeifkonzert von sich gibt - hoho! Soviel Superlative konnten wir kaum verkraften und liessen den Tag gemuetlich bei einem Bierchen und Burrito beim Mexikaner ausklingen.

Am naechsten Morgen fuhren wir mit dem Bus nach Granville Island, wo direkt am Wasser taeglich ein wunderschoener Markt stattfindet. Bei wolkenverhangenem Himmel kamen wir dort an und empfanden das Ganze als etwas sparsam.

Doch kaum kam im Laufe des Vormittags die Sonne heraus, war der Marktplatz mit Blick auf das Wasser, die Bruecken und Hochhaeuser so schoen, dass wir gar nicht wieder weg wollten!

Irgendwann rissen wir uns aber dann doch los und fuhren mit dem Bus nach Chinatown, dem nach San Francisco groessten chinesischen Viertel ausserhalb Asiens. In den Seitenstrassen kamen wir uns wirklich vor wie in Asien - die Gerueche und die komischen, undefinierbaren Waren, die ueberall angeboten wurden, erinnerten uns sehr an Vietnam.

Wir schlenderten durch die Innenstadt und verbrachten danach den Nachmittag im Stanley Park, einem wunderschoenen Park auf einer Halbinsel gelegen, von der man eine einzigartige Aussicht auf das Meer, die Berge und die Skyline von Vancouver hat.

Nach zwei Tagen fuhren wir auf dem Trans-Canada-Highway in Richtung Osten und passierten dabei das wohl heftigste Viertel voll fertiger Leute, das wir jemals gesehen haben. Waehrend unseres Aufenthaltes sind uns immer wieder die vielen obdachlosen und drogenabhaengigen Menschen in der ganzen Stadt aufgefallen. Doch dass es in einer mit Millionen von Dollar fuer die Winterolympiade 2010 auf Hochglanz polierten Stadt ein mehrere Haeuserblocks umfassendes Viertel voller Elend gibt, ist ein wirkliches Armutszeugnis!

Schlaflos in Seattle

In Seattle angekommen holten wir gleich am Flughafen das wohl komfortabelste Gefaehrt unserer gesamten Reise ab: ein neuer viertueriger Toyota mit allen Extras! WOW!!! Die Amerikaner hatten uns gewarnt, dass uns ein sehr kleines Auto erwartet, doch in dieses konnten wir einige unserer ehemaligen Autos zweimal reinstecken!

Das erste Mal auf unserer Weltreise hatten wir mit dem Jetlag zu kaempfen. Nachdem wir abends voellig erschlagen ins Bett unseres sehr schoenen Hostels im University District gefallen waren, waren wir bereits frueh morgens wieder hell wach, um am spaeten Nachmittag wieder hundemuede zu sein. Doch das hielt uns natuerlich nicht davon ab, Seattle zu Fuss zu erkunden, bis die Sohlen qualmten.

Das fruehe Aufstehen hatte den Vorteil, dass wir rechtzeitig zur Oeffnung des Pike's Place Markets ankamen, auf dem neben Obst, Gemuese, Pflanzen und Kunst lauthals meterlange Lachse zum Verkauf angeboten werden. Bei strahlend blauem Himmel beobachteten wir das bunte Treiben, natuerlich nicht ohne einen Kaffee aus der ersten Starbucks Filiale der Welt in der Hand - was fuer ein historisches Ereignis :-)!

Wir bummelten durch die Strassen und schlenderten natuerlich auch zur Space Needle, einem im Vergleich zu den Hochhaeusern ueberraschend kleinen Ueberbleibsel einer lang vergangenen Expo.

Die Stadt ist sehr schoen am Pudget Sound gelegen und hinter der Skyline thront der schneebedeckte, ueber 4.000 m hohe Mount Rainier. Dazu herrscht eine ausgesprochen angenehme Atmosphaere in den Strassen, sodass uns Seattle, das wir eigentlich nur aufgrund des guenstigen Fluges ausgewaehlt hatten, echt gut gefallen hat!

Sonntag, 31. August 2008

Wieder in die Welt hinaus

Wir möchten unsere Reise nicht unter so traurigen Umständen enden lassen, und so fliegen wir nächste Woche wieder los – mit etwas verändertem Ziel: Nach den Ereignissen der letzten Wochen zu Hause wünschen wir uns nun eher einen ruhigen Reisestil anstelle des Trubels in Asien und fliegen daher nach Seattle, von wo wir elf Wochen lang durch den Westen Kanadas und der USA in Richtung Los Angeles reisen werden!

Nach Hause

Nach unserer Ankunft in Brisbane erhielten wir nachts einen Anruf von Steffis Mutter, dass Steffis Opa zwei Tage vor seinem 70. Geburtstag völlig unerwartet gestorben war. Bereits 20 Stunden später saßen wir im Flieger nach Hause. Denn mehr als je zuvor wollten wir so schnell wie möglich nicht mehr weit weg, sondern bei der Familie zu Hause sein.

Steffis Opa war ein ganz besonderer und lebensfroher Mensch, dessen Verlust wir nur schwer begreifen können.

Hervey Bay – Rendezvous mit den Buckelwalen

Auf einer ziemlich unspannenden Strecke fuhren zur Town of 1770, wo Cook mit seiner Mannschaft damals gelandet war. Constantin wollte dort eigentlich ein wenig surfen lernen, doch aufgrund des schönen Wetters wehte kein einziges Lüftchen und die Brandung war dementsprechend nicht vorhanden. Watt soll’s, Sonnenschein ist uns lieber als Sturm, also machten wir uns auf nach Hervey Bay, das uns als schrecklich touristischer Ort beschrieben worden war und uns allerdings positiv überraschte, da dort alles ziemlich gemächlich vor sich ging. Wir hatten mal wieder einen Campingplatz direkt am Strand, von dem aus wir sogar einen Delphin beobachten konnten.

Eigentlich wollten wir eine Tour nach Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt, buchen. Doch die Preise waren mal wieder gepfeffert und wir waren einfach nicht bereit, so viel Geld zu bezahlen. Also entschieden wir uns spontan für eine whale watching tour. Die Tour fing alles andere als vielversprechend an, da der Bus, der uns zum Anleger bringen sollte, aufgrund einer Panne 45 Minuten Verspätung hatte. Auch die erste Stunde auf dem Boot war etwas unspannend, nachdem sich auch die dritte vermeintliche Schildkröte als Treibholz entpuppt hatte. Doch plötzlich sichtete der Kapitän eine Schule von bottlenose dolphins (Flipper), die in der Bugwelle unseres Bootes schwammen und immer wieder aus dem Wasser sprangen.

Und dann entdeckten wir nach langem Suchen endlich die erhoffte Fontäne am Horizont. Langsam näherten wir uns drei rund 10 bis 12 Meter langen Buckelwalen bis auf die erlaubten 100 Meter und der Kapitän stellte den Motor aus. Wir waren schon völlig begeistert, doch was dann folgte, ist so unbeschreiblich, dass man es mit eigenen Augen sehen muss:

Buckelwale gehören wohl zu den neugierigsten Walen, und so drehten die drei Riesen plötzlich bei, kamen auf das Boot zu und tauchten an der einen Bootseite auf. Immer wieder tauchten die drei Kerle unter dem Boot hindurch, um auch auf der anderen Seite nach dem rechten zu schauen, drehten sich, platschten mit den Seitenflossen oder spritzten Constantin sogar klatschnass!

Zwei Stunden lang blieben die Wale bei uns, in denen wir auf vielleicht 20 cm an diese wunderbaren Tiere herankamen und ihnen sogar in die Augen blicken konnten. Diese Begegnung mit den Walen gehört zu den unglaublichsten Erlebnissen unseres Lebens!

Nach ein paar Tagen machten wir uns glücklich darüber, auf Fraser Island verzichtet zu haben, auf den Weg nach Brisbane. Doch weit kamen wir nicht, da nach ca. 80 km alle Warnlampen aufleuchteten. Auf einem kleinen Parkplatz mitten im Nirgendwo warteten wir ganze drei Stunden auf den RACQ (den australischen ADAC). Doch Warten waren wir ja mittlerweile gewohnt, sodass wir uns darüber freuten, in unseren Büchern weiterlesen zu können. Doch der Mechaniker hatte keine guten Neuigkeiten, die Lichtmaschine war kaputt und das Ersatzteil lange nicht in Sicht! Also gurkten wir in die nahe Werkstatt des RACQ und mussten dort auf dem Parkplatz im Stockdunkeln übernachten, da das Ersatzteil erst am nächsten Morgen eintreffen sollte.

Wir fanden es ja schon etwas merkwürdig, als der RACQ-Mann Sheridan uns seine Telefonnummer in die Hand drückte, für den Fall, dass wir nachts belästigt werden. Wir sind ja schon einiges gewohnt, aber als wir dann mitten im Nirgendwo auf einem dunklen Werkstattvorhof standen, wo ständig irgendwelche Autos mit abgedunkelten Scheinwerfen ankamen und Leute die Autos und sonstwas tauschten, um kurz darauf wieder zu verschwinden, blieben wir im Jim vorsichtshalber mucksmäuschenstill.

Schön, dass Sheridan Constantin am nächsten Tag erzählte, dass der Ort DAS Mafiazentrum Australiens sei, wo schon vermehrt Leute um die Ecke gebracht worden waren. Da waren wir doch um so glücklicher, als wir gegen Mittag wieder losfahren konnten.

Segeltörn durch die Whitsunday Islands

Auf unserer Fahrt nach Airlie Beach begegneten wir zum ersten Mal der etwas unangenehmeren prolligen Sorte Aussie. Nachdem uns zwei Aussies auf dem Highway beim Überholen den Mittelfinger zeigten, da wir ihnen wohl zu langsam fuhren, wurden wir auf einem Supermarktparkplatz von einem der Spacken sogar bös angepöbelt, weil wir unseren Einkaufswagen zu langsam von der Strasse schoben. Nun ja, anscheinend sind nicht alle in Down Under so super entspannt...

In Airlie Beach angekommen, bezogen wir einen Campingplatz, wo Constantin neben einer Art Beutelratte mal wieder zahlreiche Opossums entdeckte – nur vor Steffi verstecken sich die Viecher immer wieder...

Als gebrannte Kinder verglichen wir zahlreiche Segeltouranbieter, da wir nicht noch einmal eine Massenabfertigung erleben wollten. Wir entschieden uns (mal wieder last-minute und somit mit fast 50 % Rabatt), am nächsten Tag mit einem Segelkatamaran drei Tage und drei Nächte durch die Whitsundays zu schippern. Unsere Erwartungen wurden um Längen übertroffen:

Mit einem 12,5 m langen, drei Monate jungen Luxuskatamaran ging es mit nur drei weiteren Pärchen und einer 2-Frau-Crew bei geilstem Wetter los. Die Stimmung an Bord war toll, wir verstanden uns sowohl mit Annie und Karla – unserer Crew – wie auch mit den Kanadiern Megan und Mark sowie dem Bremer Ehepaar Arnold und Giesela und ihrem Sohn Alex und seiner bulgarischen Frau Radina prima.

Wenn wir nicht gerade im Netz des Bugs lagen und abends die Sterne beobachteten, uns mit köstlichen Leckereien von Karla verwöhnen ließen oder im Schatten des Segels auf den Horizont blickten, ging es zum Schnorcheln zu unterschiedlichen Riffen. Dort hatten wir das Glück, neben atemberaubenden Korallen und vielen unterschiedlichen Fischen einen riesigen Batfish und wieder eine der faszinierenden Maori Wrassen zu sehen. Doch was uns wirklich die Sprache verschlug war der wunderschöne Gesang vorbeiziehender Buckelwale, den wir unter Wasser hören konnten – einzigartig!!!

Zwischendurch verbrachten wir die Zeit an malerischen Stränden, von denen der weltberühmte Whitehaven Beach wohl alle anderen in den Schatten stellt. Der angeblich feinste Sand der Welt ist dort so weiß und dieser Kontrast zu dem türkisblauen Meer ist so wunderschön, dass man seinen Augen nicht recht trauen mag. Der gesamte Segeltörn war einfach grandios!

Relaxen in Kurimine Beach

Nach kurzer Zeit zog es uns wieder an die Küste, Mission Beach war unser nächstes Ziel. Der Strand war traumhaft, doch der Ort platzte aus allen Nähten (und das in der Nebensaison!), sodass wir schnellstmöglich Reißaus nahmen. Auf dem Weg zum Strandort Kurimine, der angeblich weniger Touristen anziehen sollte, wollten wir noch eine kurze Wanderung durch den Flachlandregenwald der Region machen. Wieder begleitete uns das Quaken oder was auch immer des Baumfrosches und wir beobachteten einige Eidechsen. Doch der Höhepunkt der Wanderung stand unverhofft auf einmal vor uns auf dem Weg: Ein ca. 2 m großer Cassowary, ein Laufvogel, der dem Aussehen nach eine Mischung aus Clown und Rocker zu sein scheint. Gespannt beobachteten wir den Vogel, bis er sich ins Dickicht zurückzog. Am Ende des Weges erfuhren wir durch eine Informationstafel, was für ein Glück wir gehabt hatten, denn in der Region leben zur Zeit nur noch 50 Exemplare dieser vor dem Aussterben bedrohten Vögel.

In Kurimine erwartete uns ein kleiner, abgeschiedener Campinglatz direkt am Strand – ganz nach unserem Geschmack. Dort lernten wir die Pfälzer Andy und Vivian mit ihren beiden kleinen Töchtern kennen, mit denen wir abends mit frischem Fisch ein köstliches BBQ veranstalteten und bis in die Nacht quatschten.

Nachdem uns die kleine Familie am nächsten Morgen verlassen hatte, gammelten wir herum, lasen und spazierten erneut zu der Fischfrau, wo wir uns Barramundi (eine lokale Fischspezialität) für unser abendliches BBQ besorgten. Es folgte der wohl romantischste Abend unserer Reise: Unter einem wunderschönen Sternenhimmel und Palmen saßen wir bei Kerzenlicht und Meeresrauschen am Strand und genossen unser Abendessen. So herrlich kann es sein!!!

Durch die Artherton Tablelands nach Süden

Kaum hatten wir das Kap verlassen, begrüßte uns die Sonne wieder und wir verließen auf den Tipp von Stevie hin die Küste in Richtung Artheron Tablelands. Über eine Serpentinenstrasse ging es zunächst in das Städtchen Kalundra, wo wir – dieses Mal nicht bei Regen – den dortigen Regenwald erkundeten. Wir entdeckten leider keines der dort heimischen Schnabeltiere oder Baumkänguruhs, dafür lauschten wir dem irren Vogelgezwitscher, das sich im Nachhinein als extrem seltsames Gequake eines Baumfrosches entpuppte.

Wir machten auch einen Abstecher zum berühmten curtain fig tree, einer über 500 Jahre alten Würgfeige, die wie ein wahnsinnig breiter Vorhang über zig Meter in den Himmel ragt (eigentlich wachsen Würgfeigen ja nach unten, aber das tut hier nix zur Sache...). In der Ebene der Artherton Tablelands fuhren wir durch zahlreiche Felder und versorgten uns direkt bei den Bauern mit frischem Obst und Gemüse.

Daintree Nationalpark – im ältesten Regenwald der Welt

Am nächsten Tag fuhren wir in Richtung Cape Tribulation und machten auf dem Weg dorthin einen Zwischenstopp beim Krokodilpark. Die angeschlossene Farm, wo Krokodile für die Modeindustrie und zum Verzehr gezüchtet werden, widerte uns etwas an. Aber angeblich dient die Zucht dem Erhalt der wilden Krokodile, die dadurch nicht mehr gejagt werden dürfen. Und der Park selbst bot interessante Einblicke in die Welt der Krokodile und anderer australischer Tiere. So wissen wir nun zum Beispiel, dass Krokodile ihre eigenen Antibiotika produzieren und selbst gegen das HI-Virus immun sind oder bewusst ihren Blutfluss bei Verletzungen stoppen können.

In dem Park konnten wir kleine Wallabies füttern und stundenlang eine Koalafamilie mitsamt Baby beobachten. Koalas fressen ja bekanntlich Eukalyptus. Da dieser ziemlich giftig ist, verbrauchen die Tiere beim Verdauen soviel Energie, dass sie rund 20 Stunden am Tag pennen müssen und nur aufwachen, um wieder zu fressen, blöd zu gucken und sich zu kratzen. Zum piepen!

Über Port Douglas fuhren wir zum verregneten Cape Tribulation, wo wir, dem Wasser vom Himmel zum Trotz, schöne Wanderungen durch den unglaublich dichten Daintree-Regenwald machten. Sein Alter wird auf rund 200 bis 300 Millionen Jahre geschätzt, und so gilt er als ältester Regenwald der Welt. Neben dem uns umgebenden exotischen Vogelgezwitscher begeisterten uns vor allem auch die handtellergroßen leuchtend blauen Ulyssesschmetterlinge.

Es wollte und wollte nicht aufhören zu regnen und da die einzige Zufahrtsstrasse zum Kap durch einen kleinen Fluß führte, entschieden wir uns bereits nach einer Nacht zum Rückzug. Zum Glück, denn der mittlerweile ca. 35 Meter breite, reißende Fluß (auf unserer Hinfahrt ein kaum nennenswertes Rinnsal auf dem Asphalt) war über Nacht auf einen Wasserstand von 0,5 Meter über Strassenniveau angestiegen. Nach langem Hin und Her und Beratschlagen mit Einheimischen (Der Ranger sagte: „Entweder fahrt ihr jetzt oder ihr sitzt die nächsten vier Tage hier fest“), wagten wir mit Jimmy todesmutig die Durchquerung, die im Nachhinein dann gar nicht so schlimm war.

Ellis Beach – schimmeln unter Palmen

Vom Tauchen waren wir also erstmal bedient und fanden in Ellis Beach, etwas nördlich von Cairns, einen traumhaft schönen Campingplatz, auf dem wir direkt am Strand unter Palmen unser Lager aufschlugen. Die Sonne war dabei passenderweise kurzzeitig wieder auf unserer Seite.

Einen Abend saßen wir lange mit Fabian und Nicki, einem deutschen Pärchen, das wir in Cairns kennengelernt und in Ellis zufällig wiedergetroffen hatten, und ihrem Freund Dennis zusammen und quatschten bis in die Nacht.

Am nächsten Abend luden uns zwei ältere Kiwis ein, doch mit zum „saussage sizzle“ des Campingplatzes zu kommen, wo diverse Silberschöpfe zu alten Gassenhauern wie „Love is in the air“ ihre Tanzbeine schwangen. Wir amüsierten uns unverhofft prächtig und gewannen bei der dortigen Tombola kurzerhand Einrittskarten für einen Krokodilpark.

Auf an die Ostküste!

In Cairns angekommen mussten wir uns erstmal wieder damit abfinden, dass es selbst in Australien regnen kann. Bei strömendem Regen holten wir unseren Jim II (himself), der schon stolze 360.000 km auf dem Buckel hatte, bei der Vermietstation ab und machten es uns auf einem matschigen Campingplatz in der Stadt gemütlich.

Da wir ja unbedingt am Great Barrier Reef tauchen gehen wollten, verglichen wir die zahlreichen Anbieter des Ortes und entschieden uns schließlich für den angeblich besten Anbieter der Ostküste, da uns dieser ein unschlagbares last minute Schnäppchen anbot. Geplant war ein Trip über drei Tage auf einem Tauchboot mit 11 Tauchgängen, die auch den advanced-Kurs beinhalten sollten. Leider hatten wir auf Grund des schlechten Wetters schlechtere Sicht als erwartet und das Wasser war ganz schön kalt, sodass wir in unseren kurzärmeligen wetsuits ziemlich schlotterten.

Trotz eines spannenden Nachttauchgangs und der Begegnung mit einer ca. 1,80 m großen Maori Wrasse artete das Ganze in einer schlechten Massenabfertigung aus, sodass wir den Trip etwas enttäuscht abbrachen. Wir hatten wohl in Tonga das Glück, Tauchen so zu lernen, wie es sein sollte: Spannende und gleichzeitig entspannte Tauchgänge, coole aber nicht eiskalte Lehrer, relaxte Atmosphäre an Bord und Spaß an der Freude. In Cairns war man im wahrsten Sinne des Wortes nur eine Nummer (keine Namen!), die ins Wasser geprügelt wurde.