So gegen Mittag machten wir uns auf in Richtung Cerro Torre und gleich die erste Stunde hatte es in sich (kurzzeitig dachte Steffi bereits ans Aufgeben ;-)!).
Wildes Campen heisst: Keine Toiletten, natuerlich auch keine Duschen, dafuer aber unberuehrte Natur pur – inklusive Trinken aus dem Fluss. Nachts wachten wir davon auf, dass in unserer Apsis eine Flasche umfiel. Der Verdacht auf einen Pumaangriff (wir haben leider immer noch keinen gesehen, obwohl es zwischendurch oft wie bei Hagenbecks gerochen hat!) wurde durch das Einschalten der Taschenlampe entkraeftet. Stattdessen glotzte uns eine Waldmaus an, die es sich auf Constantins Wanderstiefeln (scheinbar vergnuegungssuechtig nach diesem Wandertag) bequem machte und scheinbar unsere Vorraete im Visier hatte. Der Navigator stuerzte sich todesmutig in das uns umgebende Dunkel und band im stroemden Regen unsere Lebensmittel an einen Baum. Die Maus kam noch ein zweites Mal wieder. Die muss Augen gemacht haben, als der Koenigsschmaus ploetzlich verschwunden war...!
Am naechsten Morgen bauten wir das Zelt ab und machten uns auf zu unserem Etappenziel, dem Fuss des Cerro Fitz Roy. Die Hueften schmerzten von den Gurten unserer Rucksaecke, doch wir waren frohen Mutes, da die Landschaft um uns herum einfach traumhaft und das Wetter wieder schoen war. Es ging an Seen und ueber Gebirgswiesen an einem Gebirgskamm vorbei, den wir erst einmal besteigen mussten. Alter Argentinier, war das anstrengend. Die Steigung lag teilweise ungelogen bei 40 Grad, zumindest waren die Achillessehnen bis zum Anschlag gespannt. Die ersten zwei Stunden haben uns so geschafft, dass sich der Rest des Weges bis zum Nachtlager ziemlich in die Laenge zog. Am spaeten Nachmittag kamen wir ziemlich muede auf dem naechsten wilden Campingplatz an und schlugen unser Zelt unter zwei Baeumen auf. Das Wetter wurde zum Abend hin ziemlich ungemuetlich und wir kuschelten uns schon frueh in unsere Schlafsaecke. Was in der Nacht folgte, war heftig: Ein ausgewachsender Sturm mit orkanartigen Boeen zog auf. Interessant war, dass man ca. 20 Sekunden im Voraus die naechste Boee wie einen heranrasenden Gueterzug hoerte, die dann das Zelt heftig durchschuettelte und es (inklusive unsere Schlafsaecke und uns) mit Sand ueberschuettete....Steffi dachte kurzeitig, dass wir mit unserem Zelt abheben, Constantin meinte aber beruhigend, das wuerde schon nicht passieren, da wir ja im Zelt liegen. So war es dann auch, unser Tunnelzelt hielt dem patagonischen Wind (der in dieser Staerke hier wohl nicht ungewoehnlich ist!?!)tapfer stand, und am naechsten Morgen bahnte sich Constantin einen Weg durch die Sandmassen ins Freie.
Der Marsch war anstrengend, und oben auf dem Kamm war es so stuermisch, dass wir uns zeitweise aneinandergepresst hinhocken und gegen den Berg lehnen mussten, um nicht weggeweht zu werden. Die Anstrengung hatte sich aber gelohnt. Der Blick auf das unter uns liegende Tal war einfach grandios, und der Fitz Roy thronte vor uns vor einem strahlend blauen Himmel. Wieder am Campingplatz angekommen flog uns wieder der Sand um die Ohren und wir beeilten uns, um zum naechsten Camp zu kommen.
Am naechsten Tag legten wir die letzte kurze Etappe gemuetlich zurueck und bezogen einen Campingplatz in El Chaltén, der uns mit einer heissen Dusche sehr ueberzeugte. Danach fuehlten wir uns auch wieder wie aus dem Ei gepellt und kuemmerten uns um unsere Weiterfahrt. Unser naechstes Ziel hiess El Calafate.